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Ausbau der Schienenwege in Hessen

Das Schienennetz für den Nah- und Fernverkehr in Hessen wird in den nächsten Jahrzehnten mit einer Rekordsumme ausgebaut. Insgesamt sollen rund 20 Milliarden Euro in Projekte von Frankfurt RheinMain plus und kommunale Projekte von regionaler Bedeutung wie die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken fließen.

Ausbau der Schieneninfrastruktur

„Dies wird das Jahrzehnt der Schiene: Wir investieren so viel wie noch nie in den Ausbau der Schieneninfrastruktur in Hessen. Es geht dabei zum einen um eine spürbare Entlastung des Ballungsraums Frankfurt-Rhein-Main und zum anderen darum, die Anbindung des ländlichen Raums zu stärken“, sagte Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir am Donnerstag in Wiesbaden.

Jens Bergmann, Vorstand Netzplanung und Großprojekte der DB Netz AG, ergänzte bei der gemeinsamen Pressekonferenz: „Unser gemeinsames Ziel ist es, die Schiene als umwelt- und klimafreundliches Transportmittel zu stärken und mehr Kapazität gerade im dicht befahrenen Eisenbahnknoten Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet zu schaffen.“ Der RMV-Geschäftsführer Prof. Knut Ringat betonte: „Das Fahrtenangebot auf der Schiene kann mit der neuen Infrastruktur um 30 Prozent gesteigert werden.“

Eine Übersicht zu den hessischen Schienenprojekten sowie Datenblätter mit detaillierten Informationen zum Nutzen für die Fahrgäste, zu Fahrtzeitverkürzungen sowie zu den nächsten Schritten ist online abrufbar.

Die Verkehrswende in Hessen kann nur mit einem starken Nah- und Fernverkehr gelingen. „Noch nie gab es vom Land Hessen so viel Geld für die Verkehrsverbünde“, so Al-Wazir. „Zugfahren muss attraktiv und bezahlbar sein. Hessen ist hier Vorreiter: mit dem Schülerticket, dem Seniorenticket und dem Landesticket.“

Bus und Bahn sollen attraktiver werden

Gute Angebote wie die bundesweit einmaligen Flatrate-Tickets führen zu steigenden Fahrgastzahlen. „Wir wollen, dass mehr Menschen mit Bus und Bahn fahren. Und ich freue mich, dass sie das tun. Gleichzeitig ist klar, dass wir mehr Angebote brauchen, damit auch mehr Bahn gefahren werden kann. Darum wird die Schieneninfrastruktur saniert, ertüchtigt und ausgebaut: Von den insgesamt 2.800 Schienenkilometern in Hessen gibt es an 700 Kilometern Planungen für Sanierung, Ertüchtigung, Elektrifizierung oder Ausbau, teilweise wird schon gebaut – das ist ein Viertel.“ Es gehe aber nicht nur um eine Entlastung des Ballungsraums, so Al-Wazir: „Wir wollen, dass es auch im ländlichen Raum wieder gute Zugverbindungen in Richtung der Ballungsräume gibt.“ Derzeit wird ganz konkret an vier Reaktivierungs-Projekten sowie sieben Machbarkeitsstudien für weitere Reaktivierungen gearbeitet.

„Der RMV rechnet bis 2030 mit einem Drittel mehr Fahrgästen“, sagte RMV-Geschäftsführer Prof. Knut Ringat. „Unsere Untersuchungen zeigen, dass der größte Zuwachs auf den Pendlerstrecken zwischen der Region und dem Ballungsraum Frankfurt-RheinMain zu erwarten ist. Gerade hier ist der Ausbau der Infrastruktur dringend notwendig, damit wir auch künftig alle Fahrgäste ans Ziel bringen können. Mit den heute laufenden Projekten ist es aber nicht getan – wenn wir in Zukunft mehr als eine Milliarde Fahrgäste im Jahr befördern wollen, müssen wir auch über 2030 hinausblicken. Der Fernbahntunnel ist hier ein Jahrhundertprojekt, das vollkommen neue Perspektiven für den Nahverkehr eröffnet und ich freue mich sehr, dass es hier nun mit der Machbarkeitsstudie vorangeht.“

Drei Neubaustrecken für den Fernverkehr geplant

„Wir sind in Hessen in den vergangenen Jahren gut vorangekommen“, sagte Jens Bergmann von der DB Netz AG. „Zuletzt mit der neuen S-Bahn-Station Gateway Gardens am Frankfurter Flughafen und mit dem neuen elektronischen Stellwerk für den Frankfurter S-Bahn-Tunnel. Und wir arbeiten mit dem gleichen Schwung weiter: Sowohl bei der Nordmainischen S-Bahn als auch beim viergleisigen Ausbau der Strecke zwischen Hanau und Gelnhausen beginnen wir mit den ersten Bauarbeiten. Für den Fernverkehr und den Deutschlandtakt planen wir gleich drei Neubaustrecken zwischen Mannheim und Fulda.“

Die Novellierung des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes des Bundes, kurz GVFG, bietet große Chancen für den Ausbau und die Modernisierung der Schieneninfrastruktur. „Die Fördersätze sind deutlich höher, auch für die Reaktivierung und Elektrifizierung von Bahnstrecken. Wir rechnen damit, dass es noch im Februar in Kraft tritt“, sagte Minister Al-Wazir weiter. Wichtig sei, dass für Projekte, die über das GVFG finanziert werden sollen, bereits konkrete Planungen vorliegen. „In Hessen sind wir hier sehr gut aufgestellt: So profitieren unter anderen die RTW, die Niddertalbahn oder die Elektrifizierung der Taunusbahn von den verbesserten Finanzierungsbedingungen.“

Je nachdem, was die sieben Machbarkeitsstudien zu weiteren Reaktivierungen ergeben würden, könnten diese ebenfalls für das GVFG angemeldet werden. „Wichtig ist aus unserer Sicht vor allem, dass die Kriterien für die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit und die Frage, ob ein Projekt gefördert werden kann, angepasst werden. Wir haben uns direkt an den Bund gewandt und einen konkreten Vorschlag gemacht“, sagte der Verkehrsminister. Auch Klimaschutz und die Verlagerung von Verkehr von der Straße auf die Schiene sollen aus Sicht Hessens berücksichtigt werden.

Hintergrund

Vier Reaktivierungsprojekte:

  • Lumdatalbahn: Vorplanung soll bis April/Mai 2020 abgeschlossen werden
  • Horlofftalbahn: Vorbereitung der Genehmigungsplanung
  • Teil der RTW (Reaktivierung im Abschnitt Süd 2),
  • Reaktivierung Aartalbahn (Teil der Citybahn Wiesbaden, Abschnitt Wiesbaden – Bad Schwalbach, sowie länderübergreifende Machbarkeitsstudie für den Abschnitt Bad Schwalbach – Diez)

Machbarkeitsstudien:

  • Kassel-Baunatal – Schauenburg (NVV)
  • Waldkappeler Bahn (Kassel-Wilhelmhöhe – Kaufungen Papierfabrik)
  • Kassel – Herkulesbahn
  • Aar-Salzbödebahn (Herborn-) Bad Endbach (Hartenrod) – Niederwalgern; Vorstudie abgeschlossen, Machbarkeitsstudie
  • Darmstadt Ost-Roßdorf – Groß-Zimmern
  • Machbarkeitsstudie für den Abschnitt Bad Schwalbach – Diez (siehe oben)
  • Reinheim – Groß-Bieberau (Gersprenztalbahn)

Elektrifizierungen, die untersucht werden:

  • Obervellmar
  • Kassel-Baunatal
  • Odenwaldbahn
  • Waldkappeler Bahn
  • Herkulesbahn
  • Taunusbahn bereits als Ausbauvorhaben für das Bundes-GFVG angemeldet.

Presseschau

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